War auch
die sowjetische Regierung mit dem Ziel angetreten, die Menschen in
Deutschland aus den faschistischen Konzentrationslagern zu befreien,
nutzte sie die Lager jedoch unmittelbar darauf für ihre eigenen Zwecke
- zur Inhaftierung von Naziverbrechern ebenso wie für all jene, die man
oft pauschal einfach als Feinde des Sozialismus bezeichnete. Männer und
Frauen, Kinder und Greise. Mindestens 122,671 Menschen waren von
1945 bis 1950 in einem solchen Lager in Deutschland - und mindestens
42.889 haben das Lager nicht überlebt. Sie starben an Hunger, Kälte,
Krankheiten, Misshandlungen und vielen anderen Ursachen. "Mit
mindestens 12.000 verhungerten und erfrorenen, an Dystrophie, Ruhr,
Tuberkulose oder anderen Krankheiten gestorbenen Menschen erreichte die
Todesrate ein ähnliches Ausmaß wie zuvor im nationalsozialistischen
Konzentrationslager Sachsenhausen, obwohl die Häftlinge dort nicht nur
an den Lagerbedingungen zugrunde gingen, sondern von Gas sowie mit
Strick und Kugeln, um ihr Leben gebracht worden waren.", sagte der
Leiter der Gedenkstätte Sachsenhausen Dr. Günter Morsch bei der
Eröffnung des Museums zur Geschichte des sowjetischen Speziallagers
Sachsenhausen im Dezember 2001.
Zumindest diejenigen unter ihnen, die zuvor von
einem Militärtribunal verurteilt wurden, können heute in Moskau eine
Überprüfung dieses Urteils beantragen. Laut Auskunft der russischen
Militärstaatsanwaltschaft wurden dabei bis 2001 über 75 Prozent von
ihnen rehabilitiert, weil sie ganz einfach unschuldig waren. Die russische
Regierung erkennt sie daher auch offiziell als politische Gefangene an.
Der noch größeren Anzahl von Häftlingen, die nie von einem Gericht auf eine
Schuld überprüft wurden sondern oft nur auf Grund reiner Willkür in die Lager kamen,
bleibt selbst diese kleine Genugtuung versagt.
Inzwischen habe ich in den wenigen vorhandenen Akten
und den Erinnerungen der Überlebenden die Namen von über 80 Kindern
gefunden, die ein ähnliches Schicksal wie ich erfahren haben. Nicht
alle von ihnen leben noch, doch seit 1998 organisiere ich Treffen von
Müttern und Kindern, bei dem wir uns Wiedersehen und unsere
Erinnerungen und Erfahrungen austauschen. Ich habe auch ein Buch
darüber geschrieben, das inzwischen in der vierten Auflage im Forum
Verlag Leipzig erschienen ist und 2001 an einer Dokumentation des WDR
sowie 2008 einer der ARD
darüber mitgearbeitet. Nachdem ich viele Jahre in Berlin gelebt habe,
wohne ich inzwischen in einem kleinen Dorf in der Prignitz, etwa eine
Stunde von Berlin entfernt. Bedingt durch meine Arbeit halte mich aber
noch immer häufig in Berlin auf, wo auch meine beiden Kinder leben.